"Wie kann ich meinen Mann zum Reden bringen?"

DER DOM; Rat und Hilfe, Nr. 6, 10.02.2002

Die Frage stellte kürzlich eine Frau an den Anfang des Beratungsgesprächs. Der Mann entgegnete knapp: "Indem du mehr schweigst!" Jetzt schwiegen beide. Die Stille im Raum war sehr beredt. Das nicht hörbare Gespräch lief vielleicht so ab:

SIE: "Also, jetzt reicht`s mir aber Jetzt bin ich auch noch Schuld, dass er nicht redet!"

ER: "Das tat gut. Ich konnte mal sagen, wozu ich mich zuhause nicht traue!"

Die Erfahrung zeigt, dass nun ein Streitgespräch mit sich steigernden Vorwürfen folgen wird: wer hat Recht. Das lasse ich nicht zu, sondern rege oft an, sich an ihre Gesprächskultur am Anfang der Partnerschaft oder Ehe zu erinnern. Beide erzählen von vielen schönen Gesprächen. "Wir konnten reden, verstanden uns, daran müssten wir wieder anknüpfen." Einigen Paaren hilft bereits dieser einfache Tipp.

Gute Erfahrungen machen viele Paare mit Gesprächen, für die sie ihr persönliches Ritual entwickeln. Das Paar verabredet einen Zeitpunkt, an dem ungestört miteinander gesprochen werden kann: Ohne Kinder, Fernsehen, Radio, Computer, Alkohol ... und: ohne Vorwürfe.

Jeder kann z. B. 3 Minuten davon erzählen, "was ihm auf der Seele liegt", ohne unterbrochen zu werden. Hilfreich und ermutigend für den Sprechenden ist das aufmerksame Zuhören des Partners. Dann wechseln die Rollen. Das Gespräch dauert maximal eine Stunde, am besten kürzer. Manche führen diese "heilsamen Gespräche" wöchentlich oder monatlich. "Wir nehmen uns Zeit - Zeit füreinander".

Die Paare erzählen manchmal, es sei wichtig, dass abwechselnd einer der beiden verantwortlich ist für die Einhaltung des Termins und dazu einlädt - auch wenn es schwer fällt.

Besonders schön sei es, sich am Ende ein Wort des Dankes oder ein Lächeln zu schenken. Viele lassen das Gespräch mit einer zärtlichen Geste ausklingen, manche mit einem Gebet.

Manfred Frigger, Dipl. Eheberater

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