Hintergrundinformationen zur Onlineberatung
Über 50% der deutschen Bevölkerung verfügen über einen Zugang zum Internet und nutzen ihn regelmäßig. Das Internet bietet im pastoralen, psychologischen und sozialen Bereich die Chance eines niedrigschwelligen Angebotes.
Die persönliche face-to-face Beratung in der Beratungsstelle vor Ort bleibt das zentrale Anliegen der Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Allerdings kann durch die technischen Möglichkeiten des Internets die bisherige Beratung vor Ort durch die Vorab-Recherche der Ratsuchenden nach themenorientierten Informationen und die anschließende Kontaktaufnahme per Email optimal vorbereitet und / oder begleitet werden.
Vorteile der Onlineberatung für Ratsuchende
Die Stärken des Internet als Beratungsmedium sind Anonymität und Privatheit.
Onlineberatung bietet zeitsparende Möglichkeiten für Ratsuchende, die Probleme mit eigener Mobilität und der Erreichbarkeit von Beratungsstellen haben. Besondere Vorzüge bietet es Betroffenen, die den Belastungen und Konflikten dieser Gesellschaft verstärkt ausgesetzt sind, etwa jungen Menschen und Eltern in schambesetzten Krisensituationen oder in sozialer Isolation. Durch die Niedrigschwelligkeit, die persönliche Distanz durch Pseudonyme und die autonome Gesprächskontrolle innerhalb der Onlineberatung, bedeutet dies für viele Ratsuchende einen leichteren Einstieg zur Erstberatung und Prävention.
Weitere Chancen der Onlineberatung für den Ratsuchenden
- Erste Hilfe: Online-Beratung bildet eine erste, leicht und jederzeit erreichbare Anlaufstation für Ratsuchende. Sie bietet vor allem in akuten Krisen das Gefühl, dass jemand "zuhört" und sich für die persönlichen Sorgen interessiert.
- Niedrige Hemmschwelle: die garantierte Anonymität verringert die Hemmungen, ermöglicht bei vielen überhaupt erst die Inanspruchnahme professioneller Hilfe und lässt die Ratsuchenden zudem offener ihre Probleme darstellen.
- Stressabbau: die anonyme Kontaktaufnahme kann zu einer Minderung des Drucks und der Ängste führen, die durch akute Krisen hervorgerufen werden.
- Therapie- und Beratungsanbahnung: die Bereitschaft, sich professionelle Hilfe zu suchen, wird erhöht.
Personenkreise und Problemfelder in der Onlineberatung
- Ratsuchende, welche in der Öffentlichkeit als "bekannt gelten" und die aus Sorge vor "Ansehensverlust" eine ortsnahe Beratungsstelle nicht aufsuchen wollen,
- Ratsuchende, welche aus Angst oder Scham eine Distanz zum Berater benötigen (z. B. außereheliche Beziehung, sexueller Missbrauch oder selbstverletzendem Verhalten, Suicidversuch),
- Ratsuchende mit körperlichen Behinderung, welche eine herkömmliche Beratung unmöglich machen,
- Ratsuchende, welche aufgrund ihres Wohnortes eine herkömmliche Beratung nicht in Anspruch nehmen können (ländliche Regionen, aber auch berufliche Arbeitszeiten),
- Ratsuchende, welche eine klar umrissene Fragestellung besitzen, aber aus diversen Gründen den Aufwand scheuen, dafür eine Beratungsstelle aufzusuchen,
- Ratsuchende, welche bereits eine Therapie abgeschlossen haben und nur noch den gelegentlichen Austausch mit einem Berater suchen,
- Ratsuchende, welche grundsätzlich lieber schreiben oder sich nicht in der Lage dazu fühlen, ihre Probleme einem Berater in mündlicher Form zu erzählen,
- Ratsuchende, die für sich oder stellvertretend für ihre Kinder, Fragen an uns haben (z. B. "Ehenichtigkeit", Sexualität, Umgang mit neuen Partnern der Kinder, Verhaltensauffälligkeiten, Konflikte im familiären oder beruflichen Umfeld, Tod und Trauer, Fragen zu Trennung und Scheidung, Kindererziehung, Hinführung zum Glauben; aber auch: Persönliche Glaubens- und Sinnfragen, die in der Familie, dem Freundeskreis oder mit dem Pfarrer aus Scham - z. B. wegen einer befürchteten Ablehnung nicht ernstgenommen zu werden - vermieden werden.
Ein besonderer Vorteil bei der Onlineberatung ist auch die Möglichkeit des Zugangs zu aktuellen Informationen oder hilfreicher Literatur, die durch die einfache Übermittlung von aktuellen Links oder Hinweisen an Ratsuchende möglich ist.
Die Informationssuche wird erleichtert durch Übermittlung von Internetadressen zu anderen Beratungsstellen oder Adressen von Pfarrgemeinden und weiteren Hilfsmöglichkeiten kirchlich-caritativer Einrichtungen.
Fazit
- Die Online-Beratung will einen Besuch in der Beratungsstelle, eine psychotherapeutische oder eine ärztliche Beratung nicht ersetzen, aber auf diese hinarbeiten und deren Arbeit unterstützen.
- Die Online-Beratung ist eine wichtige Ergänzung des psychosozialen Beratungsangebotes.
- Durch die Online-Beratung steigt die Bereitschaft, sich „normale“ professionelle Hilfe zu suchen.
- Die Einstiegsschwelle bei Online-Beratung, bedingt durch die Anonymität, ist eindeutig viel niedriger, so dass sie auch von Personen in Anspruch genommen wird, die sich kaum trauen würden, eine Beratungsstelle oder einen Arzt/Therapeuten aufzusuchen.
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